{"id":341,"date":"2014-03-26T16:40:24","date_gmt":"2014-03-26T16:40:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.amitayus.net\/vn\/?p=341"},"modified":"2014-03-26T16:40:24","modified_gmt":"2014-03-26T16:40:24","slug":"nyungne-ein-abenteuer-mit-sich-selbst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/amitayus.net\/de\/2014\/03\/26\/nyungne-ein-abenteuer-mit-sich-selbst\/","title":{"rendered":"Nyungne &#8211; Ein Abenteuer mit sich selbst"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein Erfahrungsbericht von Renate Scholz<\/strong><\/p>\n<p><strong>Nyungne ist eine Meditation auf den Tausendarmigen Chenresig, dem Aspekt des grenzenlosen Mitgef\u00fchls aller Buddhas. Die \u00dcbertragungslinie dieser Praxis geht auf die indische K\u00f6nigstochter Lakminkartchen, die ungew\u00f6hnlich sch\u00f6ne Schwester des ber\u00fchmten Dharmak\u00f6nigs Indrabodhi zur\u00fcck.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Diese eher unter dem tibetischen Namen Gelongma Palmo bekannte Prinzessin erkrankte eines Tages an einer besonders ansteckenden Form von Lepra. Dadurch wurde ihr K\u00f6rper so entsetzlich verunstaltet, da\u00df niemand mehr ihren Anblick ertragen wollte. Auch die \u00c4rzte wu\u00dften keinen Weg, sie zu heilen. Da sie ja auch zur Quelle der Ansteckung zu werden drohte, verlie\u00df sie schlie\u00dflich den Palast und zog sich in eine Einsiedelei zur\u00fcck.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Um ihre verbleibende Lebenszeit intensiv der Dharmapraxis widmen zu k\u00f6nnen, nahm sie die Nonnengel\u00fcbde. Au\u00dferdem erhielt sie Meditationsanweisungen auf die elfk\u00f6pfige, tausendarmige Form von Chenresig, der zu ihrer Hauptpraxis wurde.<\/strong><\/p>\n<p>Trotzdem verschlimmerte sich ihr k\u00f6rperlicher Zustand zunehmend: Ihre Glieder begannen abzufaulen und der K\u00f6rper wurde zu einer einzigen Wunde, so da\u00df sie auch nachts nicht mehr schlafen konnte. In dieser Zeit hatte sie schlie\u00dflich die Vision von einer strahlend wei\u00dfen Gestalt, die aus einer gro\u00dfen Vase reines Wasser \u00fcber ihren zerst\u00f6rten K\u00f6rper go\u00df. Dabei f\u00fchlte sie, da\u00df sich die Krankheit wie die Haut einer Schlange abl\u00f6ste und als sie erwachte, fand sie ihren K\u00f6rper tats\u00e4chlich vollst\u00e4ndig geheilt und erneuert. Tief bewegt meditierte sie daraufhin voller Hingabe auf Chenresig, den sie in der wei\u00dfen Gestalt erkannt hatte, und sie erlangte einen sehr hohen Grad der Verwirklichung.<\/p>\n<p>Das von Gelongma Palmo entwickelte Fastenritual (Nyungne) geh\u00f6rt zum Kriyatantra, der Tantraklasse, in der besonders Reinigung betont wird. Die Praxis ist verbunden mit Schweigen und den sogenannten &#8220;Sodschong&#8221;\u2011Gel\u00fcbden, die man jeden Morgen bei Sonnenaufgang nimmt: nicht t\u00f6ten, nicht stehlen, nicht l\u00fcgen, keine sexuellen Aktivit\u00e4ten, keine Drogen, kein Luxus und besonderen Schmuck, Tanz oder Gesang und nur zu den vorgegebenen Zeiten essen und trinken.<\/p>\n<p>Ein Nyungne dauert zwei Tage, wobei der erste Tag, der &#8220;Nyene&#8221;\u2011Tag lockerer ist, und der zweite Tag, der eigentliche &#8220;Nyungne&#8221;\u2011Tag sehr streng ist mit Schweigen und Totalfasten. Durch die Gel\u00fcbde wird einerseits die Achtsamkeit geschult und andererseits k\u00f6nnen wir nicht in weltliche Aktivit\u00e4ten ausweichen, wie wir es normalerweise gewohnt sind. Durch die Praxis wird viel Karma gereinigt, und die Tore zu einer Wiedergeburt in den niederen Bereichen werden geschlossen.<\/p>\n<p>Im franz\u00f6sischen Meditationszentrum Montchardon zwischen Grenoble und Valence fand jetzt zum zweiten Mal ein 100-Nyungne-Zyklus statt, von Oktober 89 bis Ende Mai 90. Es gab drei Sitzungen pro Tag, das sind circa neun bis zehn Stunden Meditation t\u00e4glich. So ging es nonstop sieben Monate auch an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen. Ich habe dieses Retreat mitgemacht, und m\u00f6chte Euch berichten, wie es dazu kam und wie es war.<\/p>\n<p><strong>100 Nyungnes &#8211; ein Abenteuer mit sich selbst<\/strong><br \/>\nFasten, Askese? Nicht unbedingt f\u00fcr mich.<br \/>\nSchweigen? Schon eher.<br \/>\nMeditieren auf Chenresig? Immer gut!<\/p>\n<p>So ungef\u00e4hr war meine Ausgangslage, als ich zum ersten mal \u00fcber die Nyungne\u2011Praxis h\u00f6rte. &#8220;Naja, vielleicht irgendwann werde ich auch mal mitmachen&#8230;&#8221; Zum ersten Nyungne schleppte mich eine Dharmafreundin mit. Das war vor drei Jahren. Probieren geht \u00fcber studieren und schaden kann&#8217;s ja auch nicht, dachte ich mir. Es war hart und ich war froh, als dieses erste Nyungne vorbei war. Aber im Nachhinein f\u00fchlte ich mich wie neugeboren, jung, frisch, klar, munter und voller Lebens\u2011 und Herzensfreude. Das motivierte mich, immer wieder Nyungnes mitzumachen, so da\u00df ich mich mehr und mehr auf die Praxis einlie\u00df. Und jedesmal sp\u00fcrte ich anschlie\u00dfend wieder diese klare frische Offenheit, ich f\u00fchlte mich wie durchgeputzt. Sp\u00e4ter h\u00f6rte ich dann auch Belehrungen von Tenga Rinpoche \u00fcber die stark karmareinigende Wirkung dieser Praxis und da\u00df sie sehr verdienstvoll sei.<\/p>\n<p>Die ber\u00fchmte tibetische Nonne Anila Tsewang hat, abgesehen von ihren 25 Ng\u00f6ndros, schon 100 Nyungnes hintereinander praktiziert &#8211; unvorstellbar. Damals durchfuhr es mich wie ein Blitz: Das mal machen k\u00f6nnen! So wurde in mir der Samen gelegt, dieses Retreat zu machen. Eines Tages erfuhr ich von dem 100 Nyungne\u2011Retreat. Beim Vorgespr\u00e4ch sah mich Lama T\u00f6nsang an und betonte, da\u00df die Bedingungen f\u00fcr ein solches Retreat kostbar seien und auch wieder auseinanderfallen k\u00f6nnten. Da nun die Bedingungen und der Wunsch zusammenkommen, solle ich es jetzt machen. Leicht fiel mir die Entscheidung f\u00fcr dieses Retreat nicht: Sieben Monate meditieren, der Gedanke gefiel mir, aber all die Gel\u00fcbde? Doch ich habe das tiefe Vertrauen, da\u00df wir alle den Weg, der uns von den Lehrern geschenkt und gezeigt wird, nur zu gehen brauchen. Schritt f\u00fcr Schritt m\u00fcssen wir den Weg gehen, manchmal auch mutig springen. Und so ein Sprung war f\u00fcr mich dieses Retreat&#8230;<\/p>\n<p>Ich glaube, nicht nur f\u00fcr mich, sondern f\u00fcr alle, die die Praxis mitgemacht haben. Dieses Mal waren wir 12 Leute: sechs Franzosen, vier Deutsche, ein Belgier und ein Schweizer. Zu dieser Kerngruppe kamen f\u00fcr einzelne Nyungnes noch viele weitere Praktizierende hinzu. Viele machten einen 8er-Block, das sogenannte &#8220;Wei\u00dfe Nyungne&#8221;. Einige wollten nur kurz dazukommen und blieben dann bis zum Schlu\u00df, weil es ihnen so gut gefiel. Geleitet wurde dieses Retreat von Lama Ts\u00fcltrim, einem jungen franz\u00f6sischen Lama, der unter Gend\u00fcn Rinpoche das Dreijahresretreat machte und Lama T\u00f6nsang schon lange in Montchardon unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Neben den eigentlichen Meditationen waren die Frage\u2011Antwort\u2011Stunden besonders intensiv. Hier konnten wir die bei der Meditation auftauchenden Fragen und Erfahrungen kl\u00e4ren. In der Gruppe haben wir sehr viel gelacht und uns gegenseitig unterst\u00fctzt, so da\u00df alle das Retreat gut schaffen konnten. Niemand wurde krank oder mu\u00dfte das Retreat abbrechen. Wenn man selber mal lasch wurde, halfen einem die Gruppe und der Lama wieder weiter. Es war ein gutes Gef\u00fchl, mit Menschen aus verschiedenen L\u00e4ndern und allen Altersstufen (von 24 bis 68) so eine intensive und dichte Zeit zu verbringen. Montchardon ist ein sehr lebendiger Dharrnaplatz. Die Bewirtung an den Tagen, an denen gegessen wurde, den &#8220;Nyungnetagen&#8221; war jedesmal ein Fest.<\/p>\n<p>Und ich kann es nur empfehlen: Wenn Du Zeit und Lust hast, raff Dich auf, fahr hin und mach mit. Mann\/Frau kann jederzeit mitmachen, auch f\u00fcr k\u00fcrzer.<\/p>\n<p>Adresse: Centre d&#8217;Etudes Tibetaines Montchardon\u2011Izeron; 38160 St. Marcellin<\/p>\n<p><em>Renate Scholz<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Quelle<\/strong>: <a href=\"http:\/\/www.buddhismus-heute.de\/archive.issue__5.position__6.de.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.buddhismus-heute.de\/archive.issue__5.position__6.de.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Erfahrungsbericht von Renate Scholz Nyungne ist eine Meditation auf den Tausendarmigen Chenresig, dem Aspekt des grenzenlosen Mitgef\u00fchls aller Buddhas. Die \u00dcbertragungslinie dieser Praxis geht auf die indische K\u00f6nigstochter Lakminkartchen, die ungew\u00f6hnlich sch\u00f6ne Schwester des ber\u00fchmten Dharmak\u00f6nigs Indrabodhi zur\u00fcck. Diese eher unter dem tibetischen Namen Gelongma Palmo bekannte Prinzessin erkrankte eines Tages an einer besonders [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":595,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[19],"tags":[20],"class_list":["post-341","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-bao-cao","tag-bericht"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/amitayus.net\/de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/avalokiteshvara-b.jpg?fit=350%2C263&ssl=1","views":{"total":36,"cached_at":""},"jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/amitayus.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/341","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/amitayus.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/amitayus.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/amitayus.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/amitayus.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=341"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/amitayus.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/341\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/amitayus.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/595"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/amitayus.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=341"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/amitayus.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=341"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/amitayus.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=341"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}