{"id":283,"date":"2014-03-26T15:54:36","date_gmt":"2014-03-26T15:54:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.amitayus.net\/vn\/?p=283"},"modified":"2014-03-26T15:54:36","modified_gmt":"2014-03-26T15:54:36","slug":"safrankutten-im-stillen-tal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/amitayus.net\/de\/2014\/03\/26\/safrankutten-im-stillen-tal\/","title":{"rendered":"Dresdener Sonntag: Safrankutten im stillen Tal"},"content":{"rendered":"<p><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/farm1.staticflickr.com\/813\/39225531390_deae78c871_c.jpg?resize=640%2C508&#038;ssl=1\" alt=\"z123_0001\" width=\"640\" height=\"508\" \/><script async src=\"\/\/embedr.flickr.com\/assets\/client-code.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Ruhe im osterzgebirgischen Dorf Sch\u00f6nfeld hat buddhistische M\u00f6nche angezogen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Tomas G\u00e4rtner<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nichts \u00fcbert\u00f6nt das Vogelgezwitscher. H\u00f6chstens einmal das Ger\u00e4usch eines einsamen Rasenm\u00e4hers. \u201eErholungssuchende, die Ruhe bevorzugen, finden diese in Sch\u00f6nfeld, einem kleinen Ort mit d\u00f6rflichem Charakter in einem Seitental der Wilden Wei\u00dferitz\u201c, verspricht der Text auf der R\u00fcckseite der Wanderkarte f\u00fcr das Osterzgebirge. Einst, in den 1920-er Jahren, waren hier bis auf drei Katholiken und sieben \u201eSonstige\u201c fast alle evangelisch-lutherische Christen. Das Dorf traf sich in der Kirche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die steht auf einer gr\u00fcnen Anh\u00f6he, ihr Turm ist mit Holzschindeln verkleidet. Fast vierhundert Jahre alt ist sie. Heute ist auch dort Ruhe eingezogen. 84 der 234 Dorfbewohner sind Christen, die kleinste Gemeinde im Kirchspiel Frauenstein mit seinen sechs Gottesh\u00e4usern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An einem Sonntag im Monat noch kommt Pfarrer Gerd Trommler von Hermsdorf her\u00fcben Den Gottesdienst Feiert er dann in der Regel mit f\u00fcnf Leuten. Es kommt auch vor, dass niemand erscheint. \u201eDas ist schon schwierig&#8221;, sagt er.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz unten, im Tal der Wilden Wie\u00dferitz, am \u00e4u\u00dfersten Ende des Dorfes, ist es noch ruhiger. Das aber ist Thich Hanh Tan gerade recht. Der 48-J\u00e4hrige mit kahl rasiertem Sch\u00e4del tr\u00e4gt eine safrangelbe Kutte. Er ist M\u00f6nch. Vor einem reichlichen Jahr ist er auf dieses leer stehende Geh\u00f6ft gesto\u00dfen, die \u201eWei\u00dfe M\u00fchle\u201c, zu DDR-Zeiten Ferienheim, zuletzt Landgasthof. Dessen Benutzer, der das Anwesen noch 2001 renoviert hat, wurde die Ruhe zum Verh\u00e4ngnis. Er ging pleite.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eAuf der Stra\u00dfe fahren maximal zehn Autos am Tag\u201c, sagt Thich Hanh Tan. \u201eEine friedliche Atmosph\u00e4re. Viel positive Energie.&#8221; Genau der Ort, den er f\u00fcr sein Buddhistisches Klausurzentrum \u201eAmitayus\u201c gesucht hat. Nicht zuletzt war die abgelegene Immobilie wohlfeil. Reichlich 15 000 Quadratmeter f\u00fcr 115 000 Euro, daf\u00fcr reichten die Spenden. \u201eDazu freundliche Nachbarn.\u201c Bei denen haben die sieben M\u00f6nche und f\u00fcnf Nonnen sich gleich vorgestellt, als sie im April 2010 einzogen. Manche schauten sehr skeptisch, erinnert sich der Abt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch unter seinen Gemeindemitgliedern habe es zun\u00e4chst unsichere Fragen gegeben, erz\u00e4hlt Pfarrer Trommler. Deshalb hat er Harald Lamprecht, den Weltanschauungs- und Sektenbeauftragten der evangelischen Landeskirche, um Rat gebeten. Der konnte schnell beruhigen: \u201eDeren Ziel ist nicht, den Leuten den Buddhismus schmackhaft zu machen, sondern in der Abgeschiedenheit den eigenen Glauben zu leben. Deshalb k\u00f6nnen wir da ganz gelassen sein.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob das Osterzgebirge etwas hat, was Menschen suchen, die Meditation zu ihrem Lebensinhalt machen, fragt sich Manuela Funke. Die junge blonde Frau lebt in Glash\u00fctte. Unl\u00e4ngst hat sie in Niederp\u00f6bel bei Schmiedeberg vorbeigeschaut. Dort hat sich 1999 \u201eOsho Manjusha\u201c um die von den Mitgliedern verehrte, aus Hamburg stammende Mahamudra (1944-2006) niedergelassen \u2014 ein Ableger der besser unter dem Namen Bhagwan bekannten buddhistischen Religionsgemeinschaft aus dem indischen Poona.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDas aber sieht mir zu sehr nach Sekte aus\u201c, meint Manuela Funke. Sie selbst ist evangelisch. \u201eMich interessiert, welche Religion am entspanntesten macht.\u201c Deshalb ist sie zum Tag der offenen T\u00fcr bei den Buddhisten in Sch\u00f6nfeld gekommen. \u201eBisschen loszulassen, sich nicht zu sehr an Dinge zu klammern und seinen N\u00e4chsten zu lieben \u2014 das finde ich aber auch im Christentum\u201c, sagt sie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Interesse jedenfalls ist enorm. Au\u00dfer fast 200 vietnamesischen Buddhisten sind rund 350 Besucher aus der n\u00e4heren und ferneren Umgebung angereist. Vier M\u00e4nner kommen die Dorfstra\u00dfe herauf, sie leben in Sch\u00f6nfeld. \u201eWir haben uns das angeschaut\u201c, sagt einer von ihnen. \u201eGut ist doch, dass \u00fcberhaupt jemand die \u201aWei\u00dfe M\u00fchle\u2019 \u00fcbernommen hat.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die M\u00f6nche, allesamt Vegetarier, ern\u00e4hren sich von dem, was Dorfbewohner ihnen schenken oder Buddhisten aus anderen Orten schicken. \u201eDas einzige, was wir einkaufen, ist Bau-Material.&#8221;, sagt Thich Hanh Tan. Etwas Geld verdient Xiaoqing Gu, eine aus China stammende Nonne, in ihrer Praxis f\u00fcr Traditionelle Chinesische Medizin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir anderen machen au\u00dfer Rumsitzen gar nichts\u201c, meint Sherab Lodr\u00f6 scherzhaft. Mit b\u00fcrgerlichem Namen hei\u00dft der 44-J\u00e4hrige Frank Sanzenbacher. Den Buddhismus hat er w\u00e4hrend seines Sinologie- und Vietnamistik-Studiums kennen gelernt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rumsitzen &#8211; das meint die Meditationspraxis der M\u00f6nche. Sie nimmt den gr\u00f6\u00dften Teil des Tages ein, der f\u00fcr sie morgens 4 Uhr beginnt und abends halb zehn endet. Dazu sitzen sie mit untergeschlagenen Beinen auf braunen Matten, vor sich heilige Texte auf kleinen Pulten. In R\u00e4umen, in denen gro\u00dfe goldene Statuen von Buddhas und Bodhisattvas &#8211; nach h\u00f6chster Erkenntnis strebende Wesen &#8211; stehen. Auch sonst \u00fcben sie sich im Schweigen, gesprochen wird nur das Allern\u00f6tigste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sich fallen lassen in die Leerheit, darum gehe es, sagt Sherab Lodr\u00f6. \u201eWenn man losl\u00e4sst, ist Gott da.\u201c Predigt oder missionarische Aktivit\u00e4ten kennt er nicht. \u201eReligion bedeutet f\u00fcr mich: Komm erst mal mit dir selbst ins Reine, bevor du anderen sagst, was sie tun sollen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: Dresden; 14.\/15. Mai 2011; S.14<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ruhe im osterzgebirgischen Dorf Sch\u00f6nfeld hat buddhistische M\u00f6nche angezogen Tomas G\u00e4rtner Nichts \u00fcbert\u00f6nt das Vogelgezwitscher. H\u00f6chstens einmal das Ger\u00e4usch eines einsamen Rasenm\u00e4hers. \u201eErholungssuchende, die Ruhe bevorzugen, finden diese in Sch\u00f6nfeld, einem kleinen Ort mit d\u00f6rflichem Charakter in einem Seitental der Wilden Wei\u00dferitz\u201c, verspricht der Text auf der R\u00fcckseite der Wanderkarte f\u00fcr das Osterzgebirge. Einst, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2177,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[15],"tags":[16],"class_list":["post-283","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-truyen-thong","tag-zeitung"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/amitayus.net\/de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/z123_0001.jpg?fit=461%2C366&ssl=1","views":{"total":43,"cached_at":""},"jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/amitayus.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/283","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/amitayus.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/amitayus.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/amitayus.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/amitayus.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=283"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/amitayus.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/283\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/amitayus.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2177"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/amitayus.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=283"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/amitayus.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=283"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/amitayus.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=283"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}